10. Das Tribunal

Diesen Morgen kam mich Erik, begleitet von zwei Soldaten-Bürgern, wie vorgesehen abholen. Zusammen gingen wir zum Tribunal, in dem sich meine Zukunft entscheiden sollte. Wir gelangten zu Fuß und mit der Metro dorthin. Während der Fahrt starrten mich zahlreiche Reisende an, da ich nicht sehr überzeugend in der blauen Diplomatenuniform wirke. Sie müssen mich für einen Kriminellen gehalten haben, aber im Grunde ist es genau das was ich bin...

In der Ferne gelang es mir den Justizpalast auszumachen, dessen große Statue vor dem Bauwerk die Unparteilichkeit personifiziert. Der klassische Touch dieses Gebäudes vermittelte mir den Eindruck, daß die Republikaner wie die Erben der Römischen Republik erscheinen möchten.

Wir traten ein und durchschritten einen Saal in dem meine Identität, genau wie bei meiner Ankunft, durch Maschinen überprüft wurde. Mir war so, als ob ich durch jemanden in einem dunklen Raum überwacht wurde. Man reichte mir eine Kutte und normale Kleidung, dann trat ich in den Zuschauerraum ein.

Der Saal war brechend voll, ich konnte auf manchen Podien Studenten, auf anderen Schaulustige, und am nächsten zu mir durch Kutten verhüllte Gestalten - Zeugen nahm ich an - ausmachen. Der Richter Yansen sprach:

-Angeklagter 503, ich informiere Sie darüber, daß die Kutten dazu dienen die Identitäten der Hauptpersonen dieses Prozesses vor der großen Öffentlichkeit zu schützen, und sie in dem speziellen Vorgang der privaten Konfrontation befragt werden können. Ich erkläre die Verhandlung für eröffnet.

-Motiv des Prozesses : Entscheidung, ob der hier anwesende Angeklagte 503 autorisiert ist, eine Pro-Bürgerschaft der Universellen Republik erteilt zu bekommen, trotz seiner alten Angehörigkeit zur unterdrückenden Klasse eines feindlichen Landes.

Anschließend erhob sich eine Person in der ersten Reihe und ging zur Tribüne. Sogar verhüllt in ihrer Kutte erkannte ich sofort wer sie war, sie sprach :

-Ich bin eine Pro-Bürgerin, vorher arbeitete ich mit meiner ganzen Familie als Sklavin, auf dem Boden des Vaters des Angeklagten.
Ich möchte zu Gunsten des Angeklagten bezeugen, damit das Gericht versteht, daß seine Zugehörigkeit zur unterdrückenden Klasse durch das erbliche System verursacht war, und er in keinster Weise ein Peiniger ist, wie es sein Vater einer war. Er hat mir das Leben gerettet, indem er das seines Vaters nahm, und ermöglichte anschließend die Flucht von 25 anderen Sklaven.

Ein Mann stand auf und stellte sich vor, er trug keine Kutte. Es war der Magistrat Fayer-Kox :

-Die Untersuchung scheint die Wahrheit der Vorgänge, die durch die Zeugin 247 beschrieben wurden, zu bestätigen. Jedoch denke ich, daß man den psychologischen Zustand des Angeklagten erforschen sollte, um herauszufinden, ob er erstens ein feindlicher Spion, oder zweitens ein Ana-Bürger des Mörder-Typs ist.

Der Magistrat Tilo-Vekyo, betraut mit der Gegen-Untersuchung (Erik arbeitet für ihn), sagte :

-Ich informiere das Gericht darüber, daß bis hierhin die Untersuchung und die Gegen-Untersuchung zum gleichen vorläufigen Ergebnis gekommen sind: Man muß den psychologischen Zustand des Angeklagten untersuchen, indem man ihn mit Geschehnissen konfrontiert und anschließend beschließt, welche Modalitäten notwendig sind, damit er seine Pro-Bürgerschafts-Periode in den richtigen Umständen vollzieht.

Anschließend fragte mich der Richter, ob ich alles gut verstanden hätte, und ob ich dächte, daß man bezüglich meiner Person Fehler begangen hätte. Ich erklärte, mir meiner Herkunft und der Ereignisse bewußt, daß mir von ihrer Seite aus alles als korrekt erschien, aber daß ich dennoch eine "private Konfrontation" mit der Zeugin 247 wünschte... Die Verhandlung wurde also für den Tag beendet.

9. Arbeiter - 11. Im Namen Gottes